Oelmalerei

Ölmalerei

Geschichtliches

Die Ölmalerei ist eine seit dem 14. Jahrhundert angewendete und seit dem 17. Jahrhundert allgemein gebräuchliche Maltechnik, bei der die Bindung der Farben durch trocknende Öle erfolgt. Sie gilt als "klassische Königsdisziplin" der Kunst und ist durch die Haltbarkeit und Farbbrillanz der Ölfarben unübertroffen. Diese Form der Malerei ist bereits seit dem 13.Jahrhundert bekannt und wird später vor allem von Jan van Eyck weiterentwickelt, auch aus dem Bedürfnis heraus, die Grenzen der eher linear betonten Technik der Temperamalerei zu überwinden. Die ältesten bekannten Rezepte finden sich im Straßburger Manuskript.

Jan van Eyck, Mann mit dem Turban, SelbstbildnisDie entscheidende Vervollkommnung dieser neuen Technik und wesentliche Impulse zu deren Verbreitung werden vor allem Jan van Eyck zugeschrieben. Antonello da Messina brachte sie nach Italien, wo sie sich zunächst wesentlich langsamer als in Nordeuropa verbreitete. Noch während des 16. Jahrhunderts war es dort üblich, die Technik mit Temperafarben zu kombinieren, aber auch andere Maler wie beispielsweise Rubens verwendeten parallel Temperafarben.

Die im Mittelalter übliche, vor allem von Jan van Eyck entwickelte und bis Tizian gebräuchliche Maltechnik der Trennung von Form und Farbe, ermöglichte die Bildgestaltung auch in Werkstätten als überschaubaren handwerklichen Prozess. Die Technik erlaubt eine äußerst naturnahe und detailgetreue Darstellung von Formen und wurde deswegen auch in der Moderne von Surrealisten wie Dali verwendet.

Die heilige Barbara, Jan van Eyck, 1437Nach einer Risszeichnung auf die Bildfläche (mit Kreidegrund weiß grundierte Holztafel oder mit dünnem Leinen bespannte Holztafel) wurde die Schattenform entwickelt. Dies geschah mit Eitemperafarbe (Siena, Ultramarin oder Schwarz) je nach gewünschtem Effekt. Als nächster Arbeitsschritt erfolgt ein erster dünner, durchscheinender Überzug, die Lasur, aus magerer Harzölfarbe zur Entwicklung eines sogenannten Mitteltones und Gesamttones. Diese erste Schicht heißt Imprimitur. Der Gesamtton bestimmt den späteren Bildcharakter, ob kalt oder warm, gedämpft oder dunkel. Der Mittelton, der zwischen dem dunkelsten und dem hellsten Ton des Bildes liegt, gestattet die nun folgende Entwicklung der Form durch das Licht, die sogenannte Weißhöhung. Mit weißer Tempera wird das Licht gemalt, es entsteht die Plastizität und Dreidimensionalität des Bildes. Der Wechsel von Lasur und Weißhöhung erlaubt ein behutsames Entwickeln des Bildes und ermöglicht viele Korrekturschichten. Es können so Bilder von großer Tiefe und innerer Lebendigkeit gemalt werden. Von Tizian wie auch von Stefan Lochner weiß man, dass sie bis zu 150 Schichten auftrugen, in Lochners Fall z.T. sogar noch mehr. Der Abschluss dieser formalen Seite des Bildes wird auch Grisaille genannt, bis zu diesem Punkt hat das Bild im Wesentlichen erst Ocker, Schwarz und Weiß als Farben. Die Technik der Trennung von Form und Farbe wird heute nur noch von wenigen Künstlern beherrscht. Beispiele sind der Kreuzweg von Georg Esser und im 20. Jahrhundert das Oeuvre von Egon von Vietinghoffs Ölgemälden.

Arnolfini mit seiner Ehefrau, Jan van Eyck, 1434Erst jetzt erfolgt die tatsächliche Farbgebung durch Farblasuren in Öl- oder Öl-Harz-Farbe in zum Teil mehreren Schichten und Lagen bis zur Vollendung des Bildes. Zunächst wird mit Leinöl oder Dammar ein Firnis aufgetragen (der sogenannte Zwischenfirnis), der in 4-5 Tagen durchtrocknet. Danach werden die einzelnen Formpartien mit der gewünschten Farbe lasiert (Lokalfarbe). Die Lokalfarben können durch mehrfachen lasierenden Auftrag von Schichten, die jedes Mal trocknen müssen, vertieft werden. Die Untermalung soll immer durchscheinen, es darf also nicht oder nur sehr vorsichtig mit Körperfarbe, d.h. mit Weiß vermischter Farbe, gemalt werden. Schließlich können die Licht- und Schattenformen noch durch Spitzen vertieft und damit das Bild vollendet werden. Maltechnisch gesehen ist die Farbgebung der einfachere Malvorgang. Grundsätzlich gilt, dass die Farbgebung umso leichter und müheloser gelingt je kräftiger und vollkommener die Untermalung ist. Da alle Malschichten jeweils durchtrocknen müssen, kann das Malen eines Bildes in der hier beschriebenen Technik sehr lange (Monate bis Jahre) dauern.

Tizian, SelbstbildnisEin weiteres sehr weit verbreitetes Verfahren in der Ölmalerei ist die Ton-in-Ton-Malerei, die etwa im 16. Jahrhundert zur Gestaltung großer repräsentativer Formate entwickelt wurde. Sie ist eine Art gekürztes Verfahren, bei dem die Trennung von Form und Farbe weitgehend aufgehoben ist und nur noch teilweise zur Korrektur angewandt wird. Diese Methode ist vor allem von Tizian entwickelt und in modifizierter Form auch von Pablo Picasso und Max Beckmann verwendet worden.

Gemalt wird auf farbigem Grund mit toniger Farbe. Die Zeichnung wird locker mit dunkler Erdfarbe oder farbigem Grau aufgetragen und trocknen gelassen. Es wird sofort mit Weißhöhung aus Eitempera begonnen. Das Weiß ist hierbei schon eingetönt. So können die Tendenzen der Lokalfarben durch Untermischen von Rot, Blau usw. festgelegt werden. Beckmann arbeitete z. B. viel auf rotem Grund und hat darin die Zeichnung mit dunklerem Ton locker eingearbeitet. Es folgt ein farbiger Zwischenfirnis im Grundton und dann Korrekturschichten, bis der Künstler mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Von Tizian weiß man, dass er 40-50 Schichten auftrug. Am Ende folgt die farbige Vertiefung des Bildes durch mehrfache Lasuren. Die Ton-in-Ton-Malerei erlaubt erstmals die Formsuche im Bild während des Malens und gestattet sehr freies Gestalten, so dass ein Bild, wie es Rembrandt oft gemalt hat, völlig umgeworfen und neugestaltet werden kann.

Jas de Buffan, Der Pool, Paul_Cezanne, 1876Als weitere wichtige Technik in der Ölmalerei ist die Primamalerei oder Alla-Prima-Malerei zu nennen. Sie ist abgeleitet vom italienischen "aufs erste" oder von prima vista (ital. "auf den ersten Blick"). Mit dem Aufkommen von Tubenölfarben und der an Bedeutung zunehmenden Freilichtmalerei wurde die Prima-Malerei eine der häufigsten Öltechniken. Die Prima-Malerei bezeichnet ein Vorgehen, bei dem versucht wird, die Farbe gleich auf Anhieb in einem Arbeitsgang auf die richtige Stelle zu platzieren ohne spätere Korrekturen wie Retuschierung oder das Auswischen von feuchter Farbe. Das Mischen der Farbe erfolgt überwiegend auf der Palette; somit sind die einfach gehaltenen, auf wenige Farben beschränkten Farbmischungen, unkompliziert wieder zu finden. Der Maler hat bei der Prima-Malerei bereits die Endfassung des Bildes im Kopf und setzt jede Farbe als letztgültigen Farbton ein. Ihr Gegenstück ist die Schichtenmalerei, z. B. die Lasurmalerei mit ihrer Untermalung, die ihre Höhepunkte in der italienischen Renaissance und im niederländischen Barock hatte. Der Alla-Prima-Malerei verwandt ist die Nass-in-Nass-Technik. Als ein Meister der Alla-Prima-Malerei gilt Cézanne. Philipp Otto Runge beklagte sich, dass "Leute wie aus dem Kalkeimer malen". Anfänger der Malerei wollen oft alla prima malen, weil man direkt ein Ergebnis sieht. Dabei wird leicht übersehen, dass diese Technik Erfahrung erfordert, deren Fehlen zu betrüblichen Ergebnissen führt.

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Materialien

 - Die Ölfarben

Malerpalette mit ÖlfarbenViele nehmen immer noch an, ein wirklicher Künstler müsse seine Farben nach dem Vorbild alter Meister selbst mischen und dürfe nicht auf die gebrauchsfertigen Erzeugnisse im Handel zurückgreifen, da diese keine absolute Qualität lieferten und sich mit der Zeit verändern könnten. Sie werden feststellen, dass heute kaum ein Maler seine Ölfarben noch selbst anrührt. Das schließt nicht aus, dass man weiß, wie und womit Ölfarben hergestellt werden.

Farbstoffe und Pigmente sind normalerweise pulverförmig und eingeteilt in organische Farbstoffe tierischer oder pflanzlicher Herkunft, sowie anorganische Farbstoffe beziehungsweise Mineralien. Diese Farbstoffe werden mit flüssigen Substanzen gemischt, bis sie die für Ölfarben typische Konsistenz aufweisen. Die Bindemittel bestehen aus leichten oder fetten Ölen, Harzen, Balsam und Wachs.

Alle Ölfarben sind aus Weiß, Gelb, Rot, Grün, Blau, Braun und Schwarz zusammengesetzt. Bei den Weißtönen sind am bekanntesten das Bleiweiß (Silberweiß), Zinkweiß und Titanweiß.

TitanweißBleiweiß oder Silberweiß ist außerordentlich lichtundurchlässig und daher stark deckend. Es trocknet sehr gut und eignet sich für einen Malstil mit deckender Farbschicht, für die Anlage von Hintergründen und die ersten Farbschichten. Bleiweiß ist wegen seines Bleigehaltes stark toxisch, was bei der eigenen Herstellung dieser Farbe beachtet werden sollte.
Zinkweiß ist einen Ton kälter als Bleiweiß, nicht ganz so dicht, deckt weniger und trocknet langsamer. Zinkweiß ist nicht toxisch.
Titanweiß ist ein verhältnismäßig modernes Pigment, das gut deckt, sehr stabil und fest ist. Es besitzt keine besonderen Nachteile.

GelbtöneAm bekanntesten sind Neapelgelb, Chromgelb, Kadmiumgelb, Lichter Ocker und Sienna Natur.
Neapelgelb als Extrakt aus Bleiantimonat ist eine der ältesten Farben. Neapelgelb ist deckend und trocknet sehr gut. Ist diese Farbe rein und von guter Qualität, kann sie mit allen anderen Farben gemischt werden. Rubens benutzte Neapelgelb vor allem für seine Fleischfarben. Diese Farbe ist wie alle Bleifarben toxisch.
Chromgelb ist als Derivat des Bleis ebenfalls toxisch und reicht vom hellsten Zitronengelb bis zum dunkelsten orangefarbenen Ton. Es ist deckend und trocknet gut, neigt aber unter Lichteinfluss zum Verblassen.
Kadmiumgelb ist eine der ältesten klassischen Erdfarben. Kadmiumgelb, färbt und deckt ausgezeichnet, verändert sich nicht und kann in hoher, reiner Qualität mit allen anderen Farben gemischt werden.
Siena natur ist ebenfalls eine Erdfarbe und stammt aus Siena in Italien. Diese Farbe besitzt eine schöne Leuchtkraft, wird jedoch wegen ihres äußerst hohen Ölanteils beim Verdünnen leicht schwarz. Man sollte Siena natur daher nicht als Grundfarbe für größere Hintergründe oder ausgedehnte Flächen verwenden.

RottöneZu den wichtigsten Rottönen gehören Siena gebrannt, Zinnober, Kadmiumrot und Krappkarmin.
Siena gebrannt ist qualitätsmäßig vergleichbar mit Siena natur, besitzt jedoch wärmere und intensivere Nuancen. Die Farbe eignet sich für alle Techniken und neigt mit der Zeit nicht zum Schwärzen. Die alten Meister, besonders die Venezianer, benutzten diese Farbe ausgiebig.
Zinnober ist eine leuchtend rote Farbe anorganischen Ursprungs. Sie ist deckend und trocknet mäßig. Setzt man sie der Sonne aus, beginnt sie schwarz zu werden. Man sollte sie nicht mit Farben auf Kupferbasis oder Bleiweiß mischen.
Kadmiumrot ersetzt vorteilhaft Zinnober, denn es ist lichtecht. Kadmiumrot ist eine leuchtende, solide, stabile Farbe für alle Mischungen mit Ausnahme solcher auf Kupferbasis wie das deckende Grün.
Krappkarmin ist eine sehr solide Farbe mit einer breiten Skala von Rosa-, Purpur- und Karmintönen. Sie ist eher flüssig und trocknet langsam.

GrüntöneAm meisten verwendet werden Grüne Erde, Permanentgrün und Smaragdgrün.
Permanentgrün ist ein helles, leuchtendes Grün, das aus einer Verbindung von Chromoxid und Kadmiumgelb zitron besteht. Die Farbe ist stabil und sehr solide.
Grüne Erde ist ein Derivat von Ocker, das dem Grün einen Braunstich verleiht. Es handelt sich um eine sehr alte Farbe, die sich für alle Techniken eignet. Das Trocknungsvermögen ist durchschnittlich, das Deckungsvermögen völlig zufriedenstellend.
Smaragdgrün sollte man nicht mit dem Schweinfurtgrün verwechseln, dass auf manchen Farbkarten fälschicherweise als Smaragdgrün bezeichnet wird. Schweinfurtgrün hat erhebliche Nachteile und sollte völlig verbannt werden. Smaragdgrün gilt dagegen wegen seiner reichen Tonalität, seiner Stabilität und Solidität als das beste Grün.

BlautöneDie gängigsten Blautöne sind Kobaltblau, Ultramarin und Preußischblau.
Bei Kobaltblau handelt es sich um eine nicht toxische Metallfarbe, die sich wunderbar für alle Techniken eignet. Sie ist deckend und trocknet gut, neigt jedoch auf noch feuchten Farbschichten zum Reißen. bei der Ölmalerei kann Kobaltblau bei zu starker Verdünnung mit der Zeit einen leichten Grünstich bekommen. Es gibt die Farbe in hellen und dunklen Nuancen.
Ultramarin wurde ebenso wie Kobaltblau bereits von den alten Meistern verwendet. Es handelt sich um einen Extrakt des Halbedelsteins Lapislazuli, der deshalb seinerzeit sehr teuer war. Heute wird Ultramarin künstlich hergestellt. Es ist stabil und deckt und trocknet zufriedenstellend. Es gibt Ultramarin in hellen und dunklen Tönen und ist rotstichiger als Kobaltblau.
Preußisch Blau deckt ausgezeichnet, ist transparent und trocknet gut. Bei Lichteinwirkung verblasst sie, nimmt als Besonderheit jedoch den ursprünglichen Ton wieder an, wenn man sie einige Zeit im Dunklen lässt. Von Mischungen mit Zinnober und Zinkweiß ist abzuraten.

BrauntöneAm verbreitetsten sind Umbra natur und Umbra gebrannt, Casselerbraun und Vandyckbraun.
Umbra natur und Umbra gebrannt sind natürliche Erdfarben, wobei die zweite durch Kalzinieren entsteht. Sie sind sehr dunkel. Umbra natur hat einen leichten Grünstich und Umbra gebrannt besitzt einen wärmeren Ton. Beide Farben eignen sich für alle Techniken, werden jedoch mit der Zeit schwarz. Sie trocknen sehr schnell, daher sollte man sie nicht in dickeren Schichten auftragen, um ein Reißen zu vermeiden.
Casselerbrau und Vandyckbraun haben beide ein sehr dunkles Braun, das den beiden vorherigen gleicht, jedoch stärker zu Grau neigt. Man sollt damit keine größeren Hintergründe anlegen, denn sie neigen zum Reißen. Man verwendet sie für Lasuren, Retuschen und Mischungen für eher begrenzte Flächen.

Bei den Schwarztönen sind Rauchschwarz und Elfenbeinschwarz die bekanntesten.
Rauchschwarz besitzt einen eher kalten Ton, ist stabil und eignet sich für alle Techniken.
Elfenbeinschwarz besitzt einen eher warmen Ton und ist zweifellos tiefer als die vorige Farbe. Es eignet sich ebenfalls für alle Techniken.

Künstlerölfarben von SchminckeÖlfarben werden in Zinntuben mit einem Schraubverschluss angeboten. Es gibt sie je nach Fabrikat in vier oder fünf Größen unterschiedlichen Inhalts und grundsätzlich in zwei Qualitäten: Studienfarben und Künstlerfarben. Am besten wählt man für alle Farben mittlere Größen außer für Weiß. Wir selbst verwenden für unsere Ölbilder die Künstlerfarben der Firma Schmincke NORMA professional in der Größe 09 (35 ml).

Inzwischen gibt es auch Farben mit flüssigem Öl im Handel. Es handelt sich um cremige, halbflüssige Farben. Sie sind lichtecht, trocknen innerhalb weniger Stunden und bilden einen glänzenden Farbfilm. Nach wenigen Wochen sind die Farben absolut trocken. Sie können auf jedem Malgrund verwendet werden. Mit Hilfe von Terpentin kann man die Farben so verdünnen, dass man sie auch mit der Spritzpistole auftragen kann. Diese Farben besitzen ihre eigene Thematik und Dimension, wodurch sie ausgezeichnet für die abstrakte Malerei geeignet sind.

Farben Anfang

 - Die Verdünner und Firnisse

Verdünner und FirnisseDie gebrauchsfertige Ölfarbe aus der Tube ist manchmal zu dick. Zum Verdünnen benutzt der Künstler Öle, gebrauchsfertige Verdünner und Firnisse. Die wichtigsten sollen hier kurz vorgestellt werden.

Öle: Man unterscheidet hier Leinöl, Nelkenöl und Nussöl.
Beim Nelkenöl handelt es sich um einen Extrakt des Samens. Das Öl ist raffiniert, beinahe farblos und wird auch zur Herstellung von Ölfarben benutzt. Es ist äußerst stabil und neigt weniger als Leinöl dazu, auf der Oberfläche Schlieren zu ziehen. es trocknet allerdings auch langsamer. Nelkenöl eignet sich hervorragend zum Anlegen von Lasuren.
Leinöl ist das bekannteste und am meisten benutzte Sikkativ. Man gewinnt es aus dem Samen des Flachs, dessen Fasern bekanntlich zur Herstellung der Leinwand dienen. Das Öl ist hellgelb. Es trocknet in drei oder vier Tagen, lässt die Farben lebhaft wirken und verdünnt sie ausgezeichnet. Man benutzt Leinöl selten allein, sondern mischt es mit Terpentinersatz.
Nussöl gewinnt man durch Auspressen reifer Nüsse. Es ist sehr flüssig und eignet sich ausgezeichnet für einen Stil mit feinen Strichen und Linien, äußerst korrekten Umrissen und eine sorgfältige Abschlussarbeit. Nussöl ähnelt Nelkenöl und trocknet ebenso langsam.
Terpentinersatz ist ein mageres, leichtes, flüchtiges Öl, das man durch Destillation von Harzbalsam einer Kiefernart erhält. Man benutzt Terpentinersatz vor allem zu Beginn des Malens, wenn man die ersten Striche skizziert und eine leichte Farbschicht auf die Leinwand legt. Verwendet man Terpentin als alleinigen Verdünner, erhält das Bild ein mattes, stumpfes Aussehen. Man muss es in kleinen Mengen einsetzen, damit die Farbe nicht die erforderliche Dichte verliert. Mit Hilfe von Terpentin lassen sich Farben außerdem wieder von der Leinwand entfernen. Schließlich reinigt man mit Terpentin, Pinsel, Spachtel und Palette oder entfernt Flecken aus Kleidungsstücken. Terpentin sollte man nicht der Sonne aussetzen, da es verdickt und verharzt. Zudem ist es feuergefährlich.

Malmittel: Malmittel sind Verdünner für die Ölmalerei, die aus einer Mischung von synthetischen Harzen, Trocknungsfirnissen und mehr oder weniger raschen Verdunstungsmitteln zusammengesetzt sind. Malmittel sind gebrauchsfertig in Flaschen von Markenfabrikanten wie Schmincke erhältlich. Man greift jedoch noch häufig auf das klassische Rezept zurück und stellt sie aus einer Mischung von Leinöl und Terpentinersatz zu gleichen Teilen selber her. Schmincke liefert außerdem folgende Trocknungsbeschleuniger:
Sikkativ dunkel: Ein Kobalt-Blei-Mangan-Sikkativ mit gleichmäßiger Oberflächen- und Tiefenwirkung für Ölfarben. Äußerst sparsam in der Verwendung.
Sikkativ de Harlem: Heller als Sikkativ dunkel. Ein schnell trocknender Harzlack für die Oberflächen- und Tiefentrocknung von Ölfarben. Ebenfalls sparsam in der Verwendung.

Firnisse: Man unterscheidet Retuschierfirnisse und Schlussfirnisse.
Retuschierfirnis besteht aus synthetischem Harz und sich verflüchtigenden Verdünnern. Er trocknet rasch und verändert die Leuchtkraft der Farben nicht. Er eignet sich hervorragend zum Herausholen matt aufgetrockneter Bildstellen. Legt man auf diese Stellen eine Schicht Retuschierfirnis, erhalten die Farben ihre ursprüngliche Leuchtkraft zurück.
Schlussfirnis trägt man auf das fertige, bereits getrocknete Bild auf. Ein vollständiges, absolut sicheres Trocknen erfordert je nach Raumtemperatur und Dicke der Farbschicht im Allgemeinen ein volles Jahr. Sei noch erwähnt, dass es glänzende und matte Schlussfirnisse gibt, die als Flaschen oder Brei erhältlich sind. Von den inzwischen auch erhältlichen Schlussfirnissen in der Sprühdose kann ich nur abraten, da ein wirklich gleichmäßiges Auftragen hiermit nicht wirklich gewährleistet ist und das Aufsprühen nur im Freien erfolgen sollte, da die Sprühnebel gesundheitsschädlich sind.

Verdünner und Firnisse Anfang

Pinsel

Mangusten-, Kunstfaser-, RotmarderpinselIn der Regel wird für die Ölmalerei der Schweinsborstenpinsel verwendet. Für manche Feinarbeiten benötigt man jedoch auch sehr viel feinere Pinsel wie die Rotmarderpinsel. Man findet jedoch auch Kunstfaserpinsel im Handel, die diesen inzwischen fast gleichwertig sind. Viele bevorzugen das Arbeiten mit den Schweinsborstenpinsel, welcher härter und steifer sind, da man sie unbesorgt reiben und waschen kann, ohne befürchten zu müssen, dass die Haare zusammenkleben. Für viele Arbeiten und Techniken sind sie noch immer der Pinsel der Wahl. Doch arbeitet es sich bei feinen Ausarbeitungen bedeutend besser mit den Rotmarderpinseln, deren Haltbarkeit bei guter Pflege ebenso lang ist, wie bei den Borstenpinseln. Auf dem nebenstehenden Bild sind die verschiedenen Haarpinsel wie folgt abgebildet: zwei Mangustenhaarpinsel, zwei Kunstfaserpinsel, zwei Rotmarderpinsel und ein fächerförmiger Rotmarderpinsel zum Verwischen für Verschmelzungen und zarte Abstufungen.

Rundpinsel, Katzenzungenpinsel und FlachpinselÖlmalpinsel gibt es in drei verschiedenen Profilen. Da wären zunächst die Rundpinsel für die eher feinen Striche und kleine Flächen. Sehr beliebt sind auch die Pinsel in Katzenzungenfaçon für eine eher tupfende Technik und flächige Bereiche. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Pinselform sind auf jeden Fall sehr vielseitig. Zu beachten ist jedoch hierbei, dass die typische Form bei falscher Behandlung schnell verloren geht. Zuletzt wären dann noch die Flachpinsel zu nennen, die in der Ölmalerei wohl am weitersten verbreitet sind und sowohl für größere gleichmäßige Flächen, als auch für feineren Strich verwendet werden können. Bei den nebenstehend abgebildeten Pinseln handelt es sich um Schweinsborstenpinsel herkömmlicher Qualität in den drei charakteristischen Formen.

Schweineborstenpinsel in den Größen 0 - 24Der Pinsel setzt sich aus einem Stiel, einer Zwinge und dem Haarkörper zusammen. Unter der Zwinge versteht man den Metallteil, der den Haarteil zusammen hält und mit dem Stiel verbindet. Der Stiel der Ölmalpinsel ist länger als der anderer Pinsel. Auf diese Weise kann man ihn höher fassen und mit beinahe ausgestrecktem Arm in einem gewissen Abstand zur bemalten Fläche arbeiten, um den Gesichtswinkel zu vergrößern. Die Stärke des Haarkörpers wird mit Ziffern im Zweierabstand von 0 bis 24 auf dem Stiel angegeben.

Pinsel Anfang

Kapitelanfang

Fortsetzung folgt
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Quellen: José M. Parramón, Das große Buch vom Malen mit Ölfarben, Edition Michael Fischer, Stuttgart, 1986;
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